LIAG
 

Forschungsbohrung Tannwald Becken

Seismische Vorerkundung der Bohrlokationen, Profil auf den Ort Unteressendorf zulaufend (Foto: H. Buness).

Die Alpenregion ist im Hinblick auf Umwelt- und Klimaveränderungen, hydrogeologische Verhältnisse und tektonische Prozesse (Georisiken) extrem sensitiv. Vor dem Hintergrund anstehender gesellschaftlicher Herausforderungen für dieses Gebiet bedarf es daher intensiver Forschung zu verschiedenen geowissenschaftlichen Aspekten. Dabei kommt den übertieften Tälern und Becken eine besondere Bedeutung zu, da diese speziell im inneralpinen Bereich den eigentlichen Lebensraum des Menschen definieren und häufig entsprechend dicht besiedelt sind.

Exemplarisch für viele übertiefte Täler und Becken in den Alpen wird mit der Forschungsbohrung 2015 das Tannwald Becken (Unteressendorf) in Baden-Württemberg untersucht. Hauptziel des Projektes sind methodische Entwicklungen im Bereich der Geophysik im Hinblick auf eine verbesserte physikalische Charakterisierung  der quartären Sedimente in übertieften alpinen Tälern und Becken.  Diese geben Auskunft über die Klima- und Umweltentwicklung der jüngeren Vergangenheit in dem jeweiligen Gebiet und  sie können wichtige Grundwasserpotenziale beherbergen.  Im Alpenraum, einer tektonisch aktiven Region, kommt der sedimentären Füllung der Täler zudem eine wichtige Rolle bezüglich dem Verständnis von Georisiken (z.B. Hangrutschungen, Paläoseismologie) und der Modifikation von Erdbebenwellen zu, was bei der Abschätzung des lokalen Schadensrisikos von hoher Bedeutung ist.  Zudem beeinflusst die Existenz der übertieften Täler auch noch die aktuelle und zukünftige Nutzung des unterirdischen Raums. Die bis heute ungeklärte Genese dieser Täler muss insbesondere für Eingriffe, deren Langzeitsicherheit auf geologischen Zeitskalen relevant ist, besser verstanden werden.

Im Vordergrund des Projektes steht die geophysikalische Charakterisierung der Beckenmorphologie und der Beckensedimente. Die komplexe Struktur der Becken sowie die geringen petrophysikalischen Kontraste erfordern methodische Weiterentwicklungen in der geophysikalischen Exploration. Die Arbeiten werden sich zunächst auf das Tannwald Becken konzentrieren, dann aber auch auf andere Übertiefte Becken und Täler ausgeweitet.

Eine methodenübergreifende, geologisch ausgerichtete Bearbeitung einer dann zusätzlich zu realisierenden Kernbohrung ist Ziel der übergeordneten ICDP-Initiative DOVE – Drilling Overdeepened Alpine Valleys, an der sich das LIAG als Projektantragsteller beteiligt.

Seismische Vorerkundung der Bohrlokationen (Foto:T. Burschil).