LIAG
 

Erdwärme – Vorräte und Fündigkeit

Die Energiewende bringt naturgemäß die Wärme-Wende mit sich, denn gut die Hälfte des deutschen Energiebedarfs betrifft die Heizung von Gebäuden oder Prozesswärme. Das ist Grund genug, sich auch zukünftig der tiefen Erdwärme zuzuwenden. Erstmalig soll eine Typisierung geothermischer Ressourcen nach dem Konzept „Fündigkeitstyp“ (Play Type) erfolgen. Dazu werden regional unterschiedliche geothermische Ressourcen nach geologischen Kriterien zur Bildung von Wärmequelle, Wärmetransportmechanismus und Wärmespeicherung untergliedert. Letztlich geht es um Vorräte und Chancen auf Erdwärme-Fündigkeit. 

Das Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik, Hannover (LIAG), hat mit seinem Forschungsprojekt „Play Type“ ein international ausgerichtetes, anwendungsnahes Vorhaben gestartet, welches gemeinsam mit zwei Forschungspartnern, dem Internationalen Geothermiezentrum (GZB) der Hochschule Bochum und einem Unternehmen für Energiespeicherung, Storengy Deutschland, Berlin, einer Tochtergesellschaft der ENGIE-Gruppe, bearbeitet wird.

Gefördert wird „Play Type“ im Rahmen des 6. Energieforschungsprogramms der Bundesrepublik Deutschland durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, wobei der Projektträger Jülich als Forschungs- und Innovationsförderungspartner der öffentlichen Hand für drei Jahre ein Fördervolumen von gut einer Million Euro bereitstellt.

Play Type zielt auf eine geowissenschaftlich fundierte, weltweit anwendbare Charakterisierung geo-thermischer Ressourcen und damit auf eine verbesserte Ressourcenabschätzung. Exemplarisch werden der Oberrheingraben und der Ostafrikanische Graben, das Norddeutsche Becken und das Pariser Becken sowie das Süddeutsche Molassebecken und das amerikanische Alberta Becken gegenübergestellt, untersucht und verglichen.

„Mit der Bewilligung dieses Projekts ist ein Meilenstein in der nationalen wie internationalen Geothermieforschung erreicht worden, da wir uns nun der systematischen Einordnung geothermischer Ressourcen in Europa nach international anwendbaren Kriterien und der Überprüfung dieser Kriterien widmen können,“ betont Projektleiterin Prof. Inga Moeck vom LIAG.

Institut:Das Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik mit Sitz in Hannover ist ein eigenständiges Forschungs-institut und Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Institut betreibt und koordiniert zukunftsgerichtete Forschung auf dem Gebiet der physikalischen Geowissenschaften. Als Einrichtung von überregionaler Bedeutung wird es von Bund und Ländern gemeinsam finanziert. Das Institut blickt auf über 50 Jahre Erfahrung in der Geothermie-Forschung zurück und ist die Adresse in Deutschland für Geothermie-Kompetenz und Temperaturdaten aus dem tiefen Untergrund. Es betreibt das öffentlich zugängliche Geothermische Informationssystem.Im Institut besteht die Sektion S4 „Geothermik und Informationssysteme“ unter Leitung von Frau Prof. Dr. Moeck derzeit aus 26 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die Forschungsthemen im Bereich der Erkundung geothermischer Ressourcen, der Untergrundtemperaturen in Deutschland sowie der Weiterentwicklung numerischer Verfahren zur Simulation von thermisch-hydraulisch-mechanisch-chemisch (TMHC) gekoppelter Prozesse bearbeiten. Alleinstellungsmerkmale sind das in der Sektion entwickelte geothermische Informationssystem und das Fachinformationssystem Geophysik, mit denen relevante Fachdaten für die geothermische Projektplanung georeferenziert bereitgestellt und weiterentwickelt werden.