Temperaturfeld im Untergrund Deutschlands
Für die Abschätzung geothermischer Ressourcen und Reserven (Hurter & Haenel 2002, Hurter & Schellschmidt 2003) sowie für fluiddynamische Fragestellungen ist eine möglichst genaue Kenntnis des Temperaturfeldes im Untergrund eine notwendige Voraussetzung. Die hierfür erforderlichen Temperaturdaten im Untergrund Deutschlands liegen in einer Datenbank bereit, die beim Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG) in Hannover vorgehalten und gepflegt wird.
Am Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG) in Hannover wird das Fachinformationssystem (FIS) Geophysik geführt (Kühne et al. 2003). Die Datenbank enthält Messdaten und Auswertungen verschiedener geophysikalischer Verfahren, vorrangig für das Gebiet von Deutschland. Es sind Daten des LIAG, von Partnerinstitutionen (z.B. Geologischen Dienste) und der Industrie gespeichert. Das FIS Geophysik enthält unter anderem Informationen aus ca. 10 500 Bohrungen über das Temperaturfeld im Untergrund Deutschlands. Ungestörte Temperaturlogs und Lagerstättentemperaturen werden als optimale Daten angesehen. Lagerstättentemperaturen liegen aufgrund der regelmäßigen, langjährigen Kontrolle der Förderbohrungen als umfangreiche Messwertreihen vor; die Schwankungsbreite dieser Temperaturwerte liegt überwiegend unter 1 K. Zur Bestimmung der dreidimensionalen Verteilung der Untergrundtemperatur werden neben Temperaturlogs, Lagerstättentemperaturen und Fördertests vor allem Temperaturmessungen im momentanen Bohrlochtiefsten, unmittelbar nach Ende der Bohrarbeiten (Bottom Hole Temperature, BHT) verwendet. Diese BHT-Messungen werden in fast allen Industriebohrungen im Bohrlochtiefsten, unmittelbar nach Einstellen der Bohrarbeiten, ausgeführt und sind durch den Bohrvorgang (Spülungsumlauf) thermisch gestört. Eine Korrektur (Extrapolation) dieser BHT-Werte auf ungestörte Temperaturen ist möglich, da im Bohrlochtiefsten der störende Einfluss des Spülungsumlaufs auf das Temperaturfeld am geringsten ist.





